Aktuelles

August 2018

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AWBR fordert verstärkte Anstrengungen zur Reduzierung der TFA-Einträge in die Gewässer

TFA (Trifluoracetat) ist das Salz der Trifluoressigsäure, die als Synthesebaustein für die Herstellung von vielen Pflanzenschutz- und Arzneimittelwirkstoffen verwendet wird. Bei Abbau- und Transformationsprozessen in der Umwelt wird TFA wieder freigesetzt und immer häufiger in Grundwasser und Oberflächengewässern nachgewiesen. TFA wird als sehr persistent (schwer abbaubar) und mobil bewertet und kann bei den üblichen Aufbereitungsverfahren weder bei der Abwasserreinigung noch bei der Trinkwasseraufbereitung entfernt werden. Aus Vorsorgegründen müssen daher weitere Einträge unbedingt vermieden werden, was auch die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA) Maria Krautzberger fordert.

Besonders hohe Einträge von TFA erfolgen durch den stark zunehmenden Einsatz von fluorierten Kältemitteln in stationären und mobilen Klimaanlagen, die nach Freisetzung in der Atmosphäre photochemisch zu TFA transformiert und mit dem Niederschlag wieder in die terrestrische und aquatische Umwelt eingetragen werden. Durch neue gesetzliche Regelungen dürfen neue PKW-Klimaanlagen nur noch mit fluorierten Kältemitteln mit einem kleinen Treibhauspotenzial betrieben werden. Dabei wird heute vor allem die fluorierte Verbindung R1234yf (2,3,3,3-Tetrafluorpropen) eingesetzt, die wegen ihrer kurzen Lebensdauer in der Atmosphäre relativ rasch und fast vollständig zu TFA umgewandelt wird. Nach einer Studie unter Beteiligung der Schweizer Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) werden zukünftig die TFA-Emissionen allein durch die erforderliche Umstellung bei neuen PKW in Europa auf bis zu 19.000 t pro Jahr ansteigen, was 5-fach höher ist als die bisher emittierten TFA-Mengen von R134a (1,1,1 2-Tetrafluorethan), das als starkes Treibhausgas bekannt ist.

Die AWBR fordert daher ein Verbot von fluorierten Kältemitteln und unterstützt die Initiativen für die Umstellung auf fluorfreie Verbindungen. „Vor allem die steigenden TFA-Konzentrationen in Grund-, Oberflächen- und Rohwasserressourcen machen mir Sorgen, da wir Wasserversorger und Trinkwasserkonsumenten keine Pestizid-Metaboliten oder sonstige Fremdstoffe im Trinkwasser oberhalb des Höchstwertes von 0,1 µg/L haben wollen“, so der AWBR-Präsident Roman Wiget.

Juni 2018

Die drei Präsidenten der AWBR Matthias Maier aus Deutschland, Marc Thieriot aus Frankreich und Roman Wiget aus der Schweiz (v.l.n.r.), beim Festakt am 15. Juni 2018 in Konstanz

50 Jahre Engagement für den Gewässerschutz

Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein setzt sich für eine naturnahe, sichere und wirtschaftliche Trinkwasserversorgung ein

Wasser ist ein lebenswichtiges Gut, das durch nichts ersetzt werden kann. Doch die Wasservorkommen sind durch zivilisatorische Einwirkungen gefährdet. Um sie als Basis für die Trinkwasserversorgung zu erhalten, waren und sind große Anstrengungen nötig. Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) widmet sich mit ihren Experten und Untersuchungen seit 50 Jahren länderübergreifend dieser Aufgabe. Sie wurde im Juni 1968 hier in Konstanz von 18 Wasserwerken aus Süddeutschland und der Schweiz gegründet. Heute hat sie rund 60 Mitgliedsunternehmen aus fünf Ländern, die zusammen mehr als 10 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen.

Hauptaufgaben der AWBR sind die Erhaltung der Wasserqualität von Oberflächengewässern und Grundwasservorräten sowie die Beseitigung von Gefahren für die öffentliche Wasserversorgung. Stets bearbeitet die AWBR dabei gemeinsam mit den Behörden aktuelle Fragestellungen und nimmt Stellung zu Normen und Gesetzesvorlagen - von der Gesetzgebung des Landes Baden-Württemberg bis hin zur EU-Gesetzgebung.

Ein wesentliches Merkmal der AWBR ist, dass sie sich nicht nur um Themen kümmert, sondern diese stets durch wissenschaftlich fundierte Untersuchungsprogramme begleitet. Ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Beirat und fachlich versierte Arbeitsgruppen garantieren, dass sowohl die Forderungen als auch die Statements datenbasiert und vertrauenswürdig sind. Darüber hinaus hat die AWBR immer wieder eigene Forschungsprogramme durchgeführt und innovative Verfahren entwickelt, um Probleme zu lösen. Nach 50 Jahren kann die AWBR auf einen beispielhaften Datensatz zur Gewässergüte zurückgreifen, der die Beurteilung der Beschaffenheit in den Oberflächengewässern

Bodensee und Rhein, aber auch die Wasserqualität vieler weiterer Seen und Gewässer in ihrem länderübergreifenden Einzugsgebiet charakterisiert. Die Stellungnahmen, Pressemitteilungen und Veröffentlichungen der AWBR waren und sind für Mitgliedsunternehmen und Behördenvertreter wichtige Informationsquellen für alle Fragen des Gewässerschutzes.

Ausgewählte Pressereaktionen:

Pressemeldung der AWBR anlässlich der Mitgliederversammlung am 15.06.2018 in Konstanz (23,2 KB)

Mai 2018

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Initiative für sauberes Trinkwasser (Schweiz)

Die Nationale Grundwasserbeobachtung (NAQUA) durch das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) ergab 2013 an 22 % der Messstellen Befunde an PSM-Wirkstoffen und deren Abbauprodukten oberhalb 0,1 µg/L. In intensiv ackerbaulich genutzten Gebieten lag diese Rate bei bis zu 70 %.

Die daraufhin in der Schweiz entstandene eidgenössische „Initiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung (Trinkwasser-Initiative)“ konnte in kurzer Zeit die für eine Volksabstimmung über die Änderung der Bundesverfassung erforderlichen 100.000 Unterschriften sammeln. Kernforderungen sind die Streichung von Zahlungen an die Landwirtschaft bei Pestizideinsatz oder prophylaktischer Antibiotikaanwendung in der Tierhaltung.

Die AWBR verfolgt mit der Forderung nach gewässerschonender Landbewirtschaftung zum Schutz von Grund- und Oberflächengewässern vergleichbare Ziele. 

Daher hat sich die AWBR der „Allianz Pestizidreduktion“ angeschlossen und gemeinsam mit weiteren in der Schweiz aktiven Verbänden den Bundesrat zur Vorlage eines konstruktiven Gegenvorschlags aufgefordert. Dieser sollte die Kernanliegen der Trinkwasser-Initiative aufgreifen und zu substantiellen Verbesserungen für Grund- und Oberflächengewässer führen.

Wir werden HIER über den Fortgang berichten.

April 2018

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Hat vorsorgender Gewässerschutz im Rahmen der Freihandelsabkommen noch eine Zukunft?

Im Hinblick auf das aktuell zwischen EU und Japan vorgesehene weltweit größte bilaterale Handelsabkommen (~1/3 der Weltwirtschaftsleistung), welches dazu noch auf höchst intransparenter Vorgehensweise unter hohem Zeitdruck verhandelt wird, ist zu erkennen, dass viele unserer Ziele, die in europäischen Richtlinien verankert sind (z.B. Wasserrahmenrichtlinie Art. 7 Abs. 2 & 3, Art. 9), bei diesem Handelsabkommen nicht beachtet werden.

Ob die Auffassung der Europäischen Kommission in ihrer Mitteilung KOM(2007) 414 vom 18. Juli 2007, die ausdrücklich den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung vorsieht, dann noch gilt?

Für die Stadtwerke Karlsruhe hat Wolfgang Deinlein die 1.000 Seiten umfassende vorliegende Fassung durchgearbeitet. Insbesondere im Hinblick auf unsere Themen in der IAWR und deren Mutterverbände sind seine Ausführungen mehr als bemerkenswert und fordern zum schnellen handeln der Politik auf:

Die ausführliche Stellungnahme des IAWR-Geschäftsführers finden Sie auf den Seiten der IAWR im Menüpunkt Aktuelles.

März 2018

Vernehmlassung Gewässerschutzverordnung (CH)

Die AWBR fordert bei der Umsetzung der Gewässerschutzverordnung

Vernehmlassung zur GSchV vom 12.03.2018 (CH) (128,6 KB)

AWBR-Position zu multiresistenten Bakterien in Gewässern

Die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter Bakterienstämme wird von der World Health Organization (WHO) als eine der derzeit größten Herausforderungen eingeschätzt. Auch in der Umwelt und Gewässern lassen sich resistente Krankheitserreger nachweisen, wie verschiedene Studien und Untersuchungen in jüngster Zeit gezeigt haben. Haupteintragspfade für antibiotikaresistente Erreger sind Abwassereinleitungen und die Ausbringung von Gülle, Klärschlamm etc. auf landwirtschaftliche Flächen.

Antibiotikaresistente Erreger werden häufig in Oberflächengewässer nachgewiesen. Die in der Trinkwasserversorgung bewährten Aufbereitungsverfahren führen in der Regel dazu, dass die Anzahl von resistenten Bakterien und Genen deutlich reduziert werden und das Expositionsrisiko über den Trinkwasserpfad als praktisch ohne Bedeutung eingeschätzt wird. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojektes HyReKA (www.hyreka.net) werden derzeit die Ausbreitungspfade antibiotikaresistenter Erreger aus Krankenhäusern, Tiermast- und Schlachtbetrieben sowie Flughäfen und Kläranlagen untersucht, um zukünftig Einträge und Risiken frühzeitig erkennen und vermeiden zu können.

Die AWBR fordert im Sinne des Vorsorgeprinzips, dass die Einträge von Antibiotikaresistenzen bereits an der Quelle und somit schon vor dem Eintritt in den Wasserkreislauf zu verringern sind. Maßnahmen dazu wären eine deutliche Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung und der Humanmedizin, sowie eine separate Behandlung von entsprechend belasteten Abwässern aus Krankenhäusern und sonstigen Eintragsquellen.