Saubere Gewässer.
Reines Trinkwasser.

Industriechemikalien

Die Mehrzahl der in Wässern nachgewiesenen Stoffe werden als Industriechemikalien klassifiziert und die wichtigsten Stoffe sind in Europa durch die REACH-Verordnung zugelassen und registriert. Dazu gehören z.B. Lösemittel, synthetische Komplexbildner, Säuren, Laugen und viele andere mehr. Für Arzneimittel-Wirkstoffe, Pflanzenschutzmittel (Pestizide), Lebensmittel- und Futterzusatzstoffe gibt es eigene gesetzliche Regelungen.

Für das AWBR-Untersuchungsprogramm sind insbesondere die Industriechemikalien interessant, die als persistent (kaum abbaubar), mobil und toxisch bewertet werden (sog. PMT-Stoffe). Auch PM-Stoffe (persistent und mobil) sind für die Wasserversorger von Bedeutung, da sie bei naturnahen Aufbereitungsverfahren (Uferfiltration, Bodenpassage) nur schlecht entfernbar sind.

Klassische Indikatorstoffe sind EDTA (Komplexbildner), Benzotriazol (Korrosionsinhibitor), 1,4-Dioxan (Lösemittel) und TFA (Abbauprodukt).

EDTA (Ethylendinitrilotetraacetat)

Durch gemeinsame Anstrengungen von Industrie, Behörden und Wasserversorger konnten seit den 1990er Jahren die EDTA-Konzentrationen in den Gewässern reduziert werden. Allerdings wird der ERM-Zielwert für EDTA von 1,0 µg/L nach wie vor im Rhein bei Karlsruhe und weiter stromabwärts noch häufiger überschritten.

Benzotriazole

Die Konzentrationen der Benzotriazole (1H-Benzotriazol, 4- Methyl-Benzotriazol und 5-Methyl-Benzotriazol) in den Fließgewässern sind seit Jahren praktisch unverändert und liegen für 1H-Benzotriazol noch erheblich über dem Zielwert von 0,1 µg/L. Die Stoffeinträge aus industriellen und kommunalen Kläranlagen müssen daher deutlich verringert werden.

TFA (Trifluoracetat)

TFA ist das Abbauprodukt von zahlreichen fluorierten Chemikalien, die als Kältemittel sowie als Wirkstoffe von Arzneimitteln und Pestiziden zunehmend Verwendung finden. TFA kann bei naturnaher und konventioneller Aufbereitung nicht entfernt werden.


1,4-Dioxan

1,4-Dioxan wird als halogenfreies Lösemittel in vielfältigen Anwendungsbereichen eingesetzt. Der ERM-Zielwert liegt bei 0,1 µg/L und wird in Oberflächengewässern häufig überschritten.

Melamin

Melamin wird in großen Mengen produziert und u. a. als Kleber oder Tränkstoff in feuchtigkeitsbeständigen Holzwerkstoffen verwendet oder zu bruchsicherem Geschirr weiterverarbeitet. Am Rhein wird der ERM-Zielwert von 1 µg/L an den Messstellen Basel und Karlsruhe durchweg eingehalten. Die Untersuchungen im Neckar bei Mannheim seit 2019 ergaben Maximalkonzentration von bis zu 2,2 µg/L. Auffällig sind für Melamin die starken Schwankungen der ermittelten Konzentrationen im Neckar.